Belohnung und Ansporn für eine tolle Sache
SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp über den Jugend-Förder-Stützpunkt beim LSC, Neiddebatten und die TSG Hoffenheim
Ein Interview von
Rheinpfalz-Mitarbeiter Marek Nepomucky

Der Ludwigshafener SC bekommt ein Jugendförder-Zentrum nach dem Muster "Anpfiff ins Leben" von der Dietmar-Hopp-Stiftung. In diesen Zentren werden jugendliche Fußballer zu Persönlichkeiten ausgebildet - auch außerhalb des Fußballs. Am 16.5.2007 ist auf dem LSC-Sportgelände Spatenstich für das erste Jugendförderzentrum der Hopp-Stiftung in der Pfalz. Rheinpfalz-Redakteur Marek Nepomucky sprach mit Dietmar Hopp über seine Heimatverbundenheit, die Metropolregion und Zukunftswünsche.
Herr Hopp, Sie sollen ein Heimat verbundener Mensch sein. Sind Sie stolz ein Kurpfälzer zu sein?
Ja, ich bin ein Heimat verbundener Mensch und lebe gerne hier. Allerdings bin ich sicher, dass ich auch als Bayer oder Hesse zufrieden wäre, insofern kann ich nicht behaupten stolz zu sein, dass ich Kurpfälzer bin.
Sie können sich jeden Verein der Welt leisten. Warum kaufen Sie nicht Arsenal London oder Inter Mailand?
Selbst wenn es so wäre, dass ich mir einen "Weltverein" kaufen könnte, würde das nicht zu mir und meiner Heimatverbundenheit passen.
Kritiker bespötteln die TSG Hoffenheim als Retorten-Verein, als Neureich-Bimbeshausen. Die TSG Hoffenheim wurde aber schon 1899 gegründet, so dass durchaus etwas Tradition da ist. Überzeugen Sie uns bitte, warum die TSG Hoffenheim kein Retortenverein ist.
Davon will und kann ich Sie nicht überzeugen, weil ich diese Diskussion nicht verstehe. Die sogenannten Traditionsvereine sind doch auch nicht vom Himmel gefallen und wenn es keine neuen aufstrebenden Vereine gäbe, würde eines Tages die ganz große Leere da sein. Das kann doch wirklich nicht das Ziel der ewig gestrigen sein.
Glauben Sie an die Metropolregion?
Ja, weil die bisherigen Erfolge unter der Regie von Herrn Voscherau durch dessen Nachfolger Professor Heinrich eindrucksvoll konsolidiert und fortgesetzt werden.
Warum haben Sie dann das Stadion trotz aller Widerstände nicht ins Herz der Metropolregion, nach Mannheim oder gar Ludwigshafen gebaut?
Die Metropolregion besteht ja nicht nur aus dem Herzen, sondern hat eine ziemlich große Ausdehnung. Heidelberg wäre exat in der Mitte gewesen und da hat es in der Tat ein Problem gegeben. Aber Sinsheim ist nicht sehr weit von der Mitte entfernt, verkehrsmäßig optimal angebunden und die Menschen dort haben den Bau des Stadions mit Begeisterung aufgenommen. Im übrigen ist Hoffenheim ein Ortsteil von Sinsheim, was man vielleicht auf der linken Seite des Rheins noch gar nicht wahrgenommen hat.
Der größte Teil Ihres Engagements bezieht sich auf die baden-württembergische Seite. Dabei geht die Metropolregion bis nach Grünstadt. Nun eröffnet Ihre Stiftung einen Jugendförderstützpunkt nach dem Muster "Anpfiff ins Leben" in Ludwigshafen. Hatten Sie Mitleid mit den Pfälzern, als Sie den Brief des Ludwigshafener SC bekamen?
Die Entscheidung, einen solchen Stützpunkt in Ludwigshafen zu errichten ist gefallen, nachdem sich unser Kompetenz-Team unter der Führung von Anton Nagl ein Bild über die Jugendarbeit beim Ludwigshafener SC gemacht hatte. Alle Achtung, was die Verantworlichen des LSC geleistet haben. Also kein Mitleid, sondern Belohnung sowie ein weiterer Schub und Ansporn für eine tolle Sache.
Was erwarten Sie vom Engagement in Ludwigshafen? Die meisten Talente zieht es zum FCK oder zum KSC?
Die Talente sollen dahin gehen, wo sie für sich die beste Perspektive sehen. Wir sind selbsbewusst genug zu glauben, dass sich der eine oder andere auch Richtung Hoffenheim orientieren könnte.
Wird dieses Engagement eine Ausnahme bleiben oder gibt es weitere in unserer Region?
Unsere Region ist die Metropolregion Rhein-Neckar, in der ich mein Engagement fortsetzen werde, unabhängig davon ob der Zielort linksrheinisch oder im Bauland liegt.
Bei der SAP wurde Ihnen der Spitzname "Vadder Hopp" gegeben wegen Ihrer Nähe, Wertschätzung für die Mitarbeiter und Offenheit. Und mit Ihrer Stiftung lassen Sie viel Geld wichtigen Projekten zukommen. Man hört auch, dass Sie mit Herzblut hinter Ihren Projekten stehen. Doch über die Grenzen der Kurpfalz hinaus heißt es oft: Ohne die Millionen von Hopp, wäre da nix los. Stört Sie so eine Neid-Debatte nicht? Und was tun Sie dagegen?
Meine Stiftung hat bislang rund 120 Millionen Euro in verschiedene Projekte schwerpunktmäßig in unserer Region gesteckt und damit sicher einiges bewegt. Das Zielgebiet der Stiftung auf ganz Deutschland oder gar Europa zu erweitern würde dazu führen, dass man nicht wirklich große Projekte angehen könnte. Ehrlich gesagt habe ich aber den Spruch noch nie gehört, dass ohne meine Millionen hier nichts los wäre. Vom Hoffenheimer Fußball kenne ich das natürlich. Jene Neider würden mich sicher mit offenen Armen in Ihrem Verein aufnehmen und wären dann gerne die "Sch...-Millionarios", als die sie uns verhöhnen. Darüber rege ich mich aber nicht auf.
Herr Hopp, haben Sie noch Wünsche? Wenn ja, welche?
Jede Menge natürlich. Frieden auf der Welt, Gesundheit und Wohlergehen für meine Familie und Freunde und wenn Sie mich nach dem Sport fragen: weitere Deutsche Meisterschaften in der SAP-Arena im Eishockey und vielleicht auch im Handball. Dazu eine erfolgreiche Saison der TSG Hoffenheim in der 2. Liga und Deutschland soll Europameister werden.